Auge um Auge, Zahn um Zahn

Sonntag, 5. Juli 2009

Leider bin ich länger nicht mehr zum schreiben gekommen, möchte aber ein kleines Fundstück dem Leser nicht vorenthalten. Nachdem der Bundestag völlig unbeeindruckt von der Petition gegen Internetzensur eben diese vor kurzem beschlossen hat, schlägt die Blogosphäre zurück. Bei Peter Kröner fand ich ein Wordpress-PlugIn, dass IP-Adressen von Parteien, Fraktionen und Ministerien zensiert. Das Erscheinungsbild der Zensur-Seite kann individuell verändert werden - d.h. der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Das Feedback zu dem PlugIn ist umwerfend. Es besteht also berechtigte Hoffnung, dass auch für andere Blog-Software bald ähnliche PlugIns kursieren.

DDR-Blindheit

Dienstag, 5. Mai 2009

Dass es Politiker nicht so mit dem Gedächtnis haben, hat sich wohl allgemein herum gesprochen. Und auch, dass diverse Politiker den Splitter im Auge anderer bestens verurteilen können, ohne den Balken vor ihrem eigenen Auge auch nur ansatzweise zu erwähnen. Der Termin, der heute auf der Agenda der Kanzlerin stand, hat das Zeug jede Untugend dieser Art in sich zu vereinen.


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Wir wissen, was du getan hast

Freitag, 10. April 2009

Warum habt ihr nichts getan?“ Eine Frage, die meine Generation ihren Großeltern gestellt hat. Wir, die in den gewachsenen Wohlstand hineingeboren wurden, aufgewachsen in Zeiten, in denen die Bundesrepublik in der Blüte seiner freiheitlich-demokratischen Sozialstaatlichkeit stand, in der es Bildungsgleichheit gab und die von den Errungenschaften der 68er profitiert haben, sind vielleicht die erste Generation nach dem Krieg, die den Makel der deutschen Erbschuld nicht mehr fraglos zu tragen bereit war. Zu sehr waren und sind wir in unserem Erfahrungsraum gefangen, als dass es für uns nachvollziehbar wäre, wie sich ein ganzes Volk freiwillig in eine Diktatur begeben konnte. Glaubten und glauben wir doch, dass wir die Anzeichen beginnender Diktatur erkennen und unsere „Demokratie“ uns sicher davor schützen würde.


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Von der Intelligenz und anderen Irrungen

Samstag, 21. Februar 2009

Intelligenz wird völlig überbewertet, diese These vertrete ich schon seit geraumer Zeit. Alleine schon deshalb, weil nichts gleicher verteilt ist: Jeder glaubt von sich, er hätte genug davon abbekommen. In unseren Breitengraden wird Intelligenz häufig auch mit Bildung oder Ausbildung gleichgesetzt. Jemand, der einen Hochschulabschluss hat, wird generell als intelligenter angesehen, als die Teilzeitkassiererin im Supermarkt um die Ecke.


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Lampen statt Schirme

Montag, 26. Januar 2009

Wir brauchen massenhaft Nebelscheinwerfer, statt irgendwelche dubiose Rettungsschirme, so scheint es mir. Das Unwort des Jahres – notleidende Banken - spiegelt dies auf wunderbare Weise wieder. Die allgemeine deutsche Medienlandschaft kann sich jedenfalls nicht rühmen, die Ursachen der Finanzkrise verständlich dargelegt zu haben. Vereinzelte Blätter seien in dem Reigen ausgenommen. Der schwarze Peter wird zwischen Bankmanagern, Regierungsmitgliedern (Herr Steinbrück sei besonders hervorgehoben), Bankenaufsicht und sonstigen Kontrollorganen hin und her geschoben. Im Zweifelsfalle ist die USA schuld, dem „bösen“ Dabbelju Bush sei Dank. Da wird analysiert, was das Zeug hält: wer, wann, welche Fehler begangen hat, Gesetze eingeführt, Gesetze abgeschafft, die Gier der Banker, die Unverantwortlichkeit der Rankingagenturen, die faulen Kredite und sonstige fantasievollen Errungenschaften des modernen Finanzwesen und so weiter. Glücklich, wer da noch durchsteigt und versteht, was passiert ist.


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Merkel-Märchen

Sonntag, 28. Dezember 2008

Es war einmal, wieder einmal, Umfragezeit. Und der laufende Hosenanzug tritt vor den Spiegel und fragt: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Beliebteste im ganzen Land?“. Und der Spiegel (BILD, ZDF-Politbarometer, Welt, Süddeutsche usw.) antwortete:“ Frau Kanzlerin, ihr, ihr seid die Beliebteste hier, weilt ihr über den Bergen bei den sieben Zwergen. Seid ihr jedoch im Lande, verrinnt eure Beliebtheit im Sande“. Man wird ja mal träumen dürfen!

Die Aussichtssache

Sonntag, 28. Dezember 2008

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die Medien überschlagen sich derzeit wieder mal mit Rückschauevents aller möglichen und unmöglichen Arten. Im Großen und Ganzen ist alles so, wie es schon immer war: Die ganz Großen machen weiterhin das dicke Geld, immer noch auf Kosten des Arbeiters/Angestellten und des Steuerzahlers, Politiker beschwören nach wie vor die Katastrophen herauf; sie sitzen sie aus, debattieren oder führen alternativ Krieg. Der Klimawandel hat sich auch nicht eingestellt, warum sollte er auch, schließlich ist er auch nur beschworen worden. Rund um den Globus sterben weiterhin Menschen, vornehmlich in den Ländern, in denen die USA oder die NATO ihre Truppen stehen haben. Wo UNO-Truppen stehen sterben die Menschen auch, und - wie jedes Jahr - in Palästina, weil die Menschen dort das Pech haben, die Israelis als Nachbarn zu haben. Nichts Neues eben. OK, wir haben eine Finanz- und bald auch eine Wirtschaftskrise, aber das kommt in den besten Zeiten vor. Und was hat der Mensch in den letzten Jahrhunderten nicht schon alles hinter sich gebracht? Die wirklich wichtigen Menschen wird es sowieso nicht treffen und der Pöbel sollte es doch mittlerweile gewöhnt sein im Elend rumzudümpeln. Also auch nichts Neues. Ich finde, man sollte sich wieder auf einen kleinen Kreis beschränken und sich der nächsten Umgebung zuwenden. Dort passieren mitunter spannende Sachen. Während die Republik langsam dem weihnachtlichen Kaufrausch anheim fiel, machte sich bei uns langsam der anstehende Wahlkampf für die Kommunalwahlen im Sommer 2009 bemerkbar. Den Startschuss hat die SPD geliefert, die im gesamten Ort Flyer in den Briefkästen verteilt hatte. Ihr Kandidat warb mit dem eingehenden und überzeugenden Slogan: „Ich will gewinnen!“. Es folgten die Lebensläufe (oder so was Ähnliches) von drei Herren, die sich zwischen Hobbyparteiarbeit und vergeigter Parteikarriere bewegten und das bemerkenswert zielbefreit. Ein klarer Fall für den Mülleimer. Am Sonntag vor Heiligabend, nach der Morgenmesse, waren zwei schwarz bemäntelte junge Herren unterwegs, von denen ich fälschlicherweise annahm, dass es Mormonen seien. Aber die scheinen bis jetzt noch nicht ihren Weg in unser Dorf gefunden zu haben. Stattdessen fand ich wieder einen Flyer in unserem Briefkasten, diesmal von der CDU. Ein hoffnungsvoller Jüngling, just dem ersten Flaum entwachsen, leicht pummelig, lächelte mir auf dem Bild entgegen. Wer könnte dem widerstehen? Auf der Rückseite richtete er warme Worte an den geneigten Mitbewohner des Ortes:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger aus (unser schönes Dorf), ein turbulentes Jahr liegt nun bald wieder hinter uns. Oft ein Anlass, das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Was hat sich alles ereignet, was war gut und was war nicht so gut und vor allen Dingen, was muss sich ändern? Fragen, die nach Lösungen verlangen, und an diesen arbeite ich aus größter Überzeugung. Dabei steht bei mir der Mensch immer im Fokus, denn jede Entscheidung, die getroffen wird, ist eine Entscheidung, die Sie und mich also uns alle betrifft. Und weil das so ist, liegt es auch an uns allen richtige Entscheidungen zu treffen. Wir alle brauchen Lösungen, die uns das Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens geben. Heute, aber auch in Zukunft. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein harmonisches Weihnachtsfest sowie ein erfolgreiches Jahr 2009. Der hoffnungsvolle Kandidat
(Abschrift durch die Autorin) Den aufmerksamen Leser dürfte die Rechtschreibprüfung von Word erfreuen, vielleicht findet Microsoft ja noch einen Weg fehlende oder falsche Satzzeichen zu melden. Aber ansonsten handelt es sich hier um eine geradezu flammende Ansprache an den Wähler, der seine Anliegen und Sorgen in den Händen dieses ambitionierten jungen Mannes sicherlich gut aufgehoben weiß. Spontan waren wir uns einig: Dieser Mensch macht Karriere! So ein Mensch macht neugierig und also begab ich mich auf die Suche. 22 Lenze, bzw. Sommer zählt dieses hoffnungsvolle Polittalent und hat bereits eine Firma für Qualtitätsmanagement gegründet. Diese ist in der Branche Erziehung und Unterricht tätig mit dem Arbeitfeld Arbeitsorganisation. Näheres ist leider nicht zu erfahren, da die Internetpräsenz sich auf das Logo beschränkt. Seine Interessen liegen bei Politik, Wirtschaft und Poker, beruflich sieht er sich als Unternehmer. Er ist Mitglied in der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU des Kreises Aachen, Sponsor eines im Nachbarort ansässigen Eishockeyclubs und hochaktives Mitglied des entsprechenden Club-Forums. Außerdem hat er bereits vor 5 Jahren einen Fanclub des beliebten lokalen Fußballvereins (2. Bundesliga) gegründet, der sich mit dem Namen einer in der südlichen Eifel liegenden Bierbrauerei schmückt. Wahre Solidarität zeigte er mit seiner Registrierung für das Team 2009 , das die Wiederwahl von Angela Merkel unterstützt. Des Weiteren besteht eine Namensgleichheit mit dem Gründer und den Geschäftsführern der örtlichen Vertretung eines Autoherstellers höheren Preissegments, die über weitere Filialen im Kreis verfügt. Einen Zufall bezüglich der Verwandtschaft halte ich für relativ unwahrscheinlich. Innerhalb der örtlichen Partei ist er Mitglied im Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur und stellvertretendes Mitglied im Bau- und Verkehrausschuss. Seit Herbst besteht die Kandidatur zur Kommunalwahl in unserem Wahlbezirk. Ja, da geht ein Mensch mit gewichtiger Lebenserfahrung ins Rennen, einer der sich der Lösungen all unser Probleme in Zukunft annehmen will. Das ist ein Mensch, der sich nicht mit so Profanem wie Lebensunterhalt herumschlägt. Das ist einer, der später sagen wird, alles ist möglich, wenn man nur will. Die Physiognomie dieses hoffnungsvollen jungen Mannes erinnert mich stark an unseren derzeitigen Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet. Armin L., nur wenige Jahre älter als ich und in derselben Stadt aufgewachsen, ist mir noch deutlich in Erinnerung. Vor allem deshalb, weil er für jedes Amt kandidiert hat, was gerade anstand. Über die Jahre waren es sehr viele Ämter, so dass mich der ewig grinsende Armin L. konstant als Jugendliche und junge Erwachsene begleitet hatte. Nach langer Zeit hatten die Aachener endlich ein Einsehen und haben ihn ins Europa-Parlament weggewählt. Seitdem dürfen auch andere Mal grinsen. Jedenfalls war es ein Glück für ihn, dass die Aachener ihn nicht früher gewählt hatten, sonst wäre er wahrscheinlich mit seinem Studium nicht (fast) fertig geworden. Wie dem auch sei, ihm ist durch nachhaltiges, wenn nicht gar impertinentes Engagement eine großartige politische Karriere gelungen, die sicher noch nicht am Ende ist. Auch unser junger Protagonist hat die besten Aussichten auf eine solche Karriere. Es ist doch spannend, was im Kleinen entsteht. Was zählen schon Kompetenz und Fachwissen? Ein Blick in die derzeitige Regierungsriege straft diesen Anspruch an Politiker seit Jahren Lügen. Entscheidend ist nicht, was jemand kann, sondern was er daraus macht. In diesem Sinne – schöne Aussichten!

Ich auch

Dienstag, 7. Oktober 2008

Sehr geehrte Frau Bundeskanzelohrin, in Anbetracht dessen, dass einige Wirtschaftszweige (Banken, Autoindustrie) von Ihnen, stellvertretend für uns (vielleicht erinnern Sie sich noch: das Volk), großzügige finanzielle Unterstützung fordern, möchte ich mich, bevor noch mehr kommen, diesen Wünschen anschließen und erwarte eine Zahlung von einer sieben- bis achtstelligen Summe in Euro. An Sicherheiten biete ich Ihnen das Gleiche wie die Banken, nämlich nichts! Sie können aber versichert sein, dass ich im nächsten Quartal keinerlei Nachforderungen stellen werde. Ich verspreche hiermit auch feierlich, und gebe mein Ehrenwort – ich wiederhole noch mal: MEIN EHRENWORT! - dass ich mit der erhaltenen Summe ein wenig die Realwirtschaft ankurbeln, Steuern bezahlen und das Geld auch nicht außer Landes verbringen werde. Davon ausgehend, dass Sie in den letzten Tagen keine so attraktiven Bedingungen geboten bekommen haben, erwarte ich Ihre Zahlung innerhalb der nächsten 14 Tage. Freundliche Grüße, linke Hemisphäre